Urban Risotto mit Maurice Maggi

Urban Risotto mit Maurice Maggi

Das macht Spaß! Wie wäre es, ein Stündchen mit Freunden durch die Straßen zu ziehen – und dabei essbares Grün zu ernten: Grün, das sich tapfer durch die Ritzen im Asphalt kämpft, Brachen erobert oder oben in den Bäumen wächst. Brennesseln, junge Birken- oder Lindenblätter, Holunderblüten, Fichtenspitzen oder Nachtkerzenknospen- und -blüten, zum Beispiel. Natürlich nur „über Doggenhöhe“, versteht sich. Anschließend wird gemeinsam ein Risotto daraus gekocht, in das ganz zum Schluss die – dann abgewaschene und zerhackte – Vielfalt hineingegeben wird. Superlecker – superinteressant (weil man entdeckt, wie viele Köstlichkeiten die Stadt im Wildwuchs beherbergt) – und ein tolles Gemeinschaftserlebnis. Wer es ganz sti(e)lecht mag, stellt Tisch und Stühle auf die Straße, ins Straßenbegleitgrün oder auf eine städtische Brache – und tafelt mitten im Stadtleben.

Maurice Maggie lebt so etwas vor. „Iss deine Stadt“ ist die Mission, in der der Guerillagärtner der ersten Stunde (wie ihn die Medien oft nennen), Koch und Autor des wunderbaren Buches „Essbare Stadt“ (das viel mehr ist als ein Kochbuch, eher ein Gesamtkunstwerk) unterwegs ist. Angefangen hat alles in Zürich (wer „Stockrosen Zürich“ googelt, stößt automatisch auch auf Maurice Maggi). Jetzt hat er auch Station in Münster gemacht – im Rahmen des Festivals Flurstücke 015, auf Einladung von Wilm Weppelmann und seiner Freien Gartenakademie. Umringt nicht nur von interessierten (ab sofort) StadtgärtnerInnen und StadtköchInnen, sondern auch von Kameras und Mikrophonen ging’s auf die Brache an der Steinfurter Straße 72. Es wurde gepflückt, geredet, gekocht – und zum Schluss genossen. Unbedingt nachahmenswert. Und die gute Nachricht für alle Landbewohner: das alles geht natürlich auch dort, denn leckere Wildkräuter gibt’s überall.

Und damit’s auch garantiert klappt, mit dem lecker Risotto: Hier das Rezept, in dessen Genuss wir gekommen sind – mit den Mengenangaben (für 4 Esser) aus dem Kochbuch „Essbare Stadt“ von Maurice Maggi (AT-Verlag, 2014):

Wildes Risotto

1 Zwiebel, fein gehackt
50 g Butter
300 g Risottoreis
1 Bund Radieschen, in Scheiben geschnitten
100 ml Weißwein
1 Lorbeerblatt
1 Thymianzweig, Blätter abgezupft
ca. 1 l heiße Gemüsebrühe
2 Tassen junge, hellgrüne, zarte Ahorn-, Linden- oder Buchenblätter (je nach Jahreszeit auch ergänzt oder ersetzt durch: Fichtenspitzen, Holunderblüten, Nachtkerzenblüten, Brennesselblättern)
100 g Stilton oder anderer Blauschimmelkäse
Salz und Pfeffer

Zwiebel in Butter andünsten, Reis und Radieschenscheiben zugeben und kurz mitdünsten. Mit dem Weißwein ablöschen. Lorbeerblatt und Thymian beigeben. Gemüsebrühe hinzugeben und Reis sämig weich kochen (wer es Risotto-like mag, gibt die Gemüsebrühe erst nach und nach hinzu und rührt dabei ständig um). Kurz vor Ende der Garzeit die Baumblätter und den in Stücke gebrochenen Käse beigeben und vorsichtig unterrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Und hier noch das Video zum Buch.

Ein Klavier ein Klavier: Aktion SPIEL MICH in Dortmund

Ein Klavier ein Klavier: Aktion SPIEL MICH in Dortmund

Über diese sympathische Idee sind wir zufällig in Dortmund gestolpert:

Steht ein Klavier mitten in der Fußgängerzone, und jeder, der Lust hat, darf drauf spielen. Als wir des Weges kamen, war ein echter Könner am Werk.

Ein Aufkleber am Klavier verriet: Dahinter steckt die zweimonatige Mitmach-Aktion SPIEL MICH, organisiert vom City-Ring Dortmund. Zwei Sommermonate lang stehen an verschiedenen Stellen Klaviere im öffentlichen Raum, zugänglich für jedermann.

Auf der Webseite www.spiel-mich.com heißt es: „Die Klaviere werden gespendet, denn häufig stehen sie irgendwo herum und stören mehr, als dass sie bespielt werden. Sie bekommen durch dieses Event vielleicht einen letzten großen Auftritt. … Am Ende der Aktion werden die gespendeten Klaviere versteigert.“

Wir finden: Eine tolle Aktion, die zu Leben und Musik in der Stadt beiträgt!

Urbanes Grün …wird erforscht!

Urbanes Grün …wird erforscht!

Grün in der Stadt … jahrelang Stiefkind der Stadtentwicklung, jetzt zunehmend wieder Thema, auch in der Forschung:

Der Jahresbeginn 2013 brachte gleich zwei Forschungsberichte:

Urbanes Grün in der integrierten Stadtentwicklung. Strategien. Projekte. Instrumente“ des MBWSV NRW (kostenloser pdf-Download der 181-seitigen Publikation auf der Webseite des Ministeriums, Link s.o.).

Urbanes Landmanagement in Stadt und Region. Urbane Landwirtschaft, urbanes Gärtnern und Agrobusiness“ des difu (Schutzgebühr 18,- €, bestellbar über obigen Link oder im Buchhandel).

Wolltaten: Street Art mit Herz … und tolles Schüler-Kunstprojekt

Wolltaten: Street Art mit Herz … und tolles Schüler-Kunstprojekt

Wenn das Hoftor einer „Tafel“ plötzlich mit bunten Bommeln dekoriert ist oder ein gewebtes Herz das Geländer vor einem Eine-Welt-Laden ziert, dann könnte das auf das Konto von „Wolltätern“ gehen. Sie kommen und gehen unerkannt – und hinterlassen kleine Kunstwerke, bunte Grüße und ein Dankeschön an Orten, wo Menschen sich für eine bessere Welt einsetzen. Bei uns in Meschede sind wir ihnen zufällig begegnet – und haben doch erst später gesehen, was sie hinterlassen haben und in welcher Mission sie unterwegs waren. Wir finden: Wolltaten sind sympathisch, zauberhaft, kreativ – und machen nicht nur den Beschenkten eine Menge Freude!

Update vom 24.12.2012:

Das ist ja super! Hinter den geheimnisvollen „Wolltätern“, die bei uns in der Stadt jeden Tag im Advent an einer anderen Stelle ihre wolligen Kunstinstallationen hinterlassen haben, steckt gleich eine ganze Schule! Es sind fast 100 Schülerinnen und Schüler nahezu aller Jahrgangsstufen der Realschule St. Walburga in Meschede! Unterstützt vom Lehrerkollegium haben sie sich aufgemacht, Orte auszuzeichnen, an denen „Menschen für andere Menschen da sind“. Heute haben sie sich in der örtlichen Presse geoutet! Wir finden: eine tolles Kunstprojekt, das Menschen erfreut, den öffentlichen Raum verschönert und (auch dank einer guten Pressearbeit, jeden Tag wurde der Presse ein Bild „zugespielt“) ganz viel Aufmerksamkeit und Sympathie erfährt. Wir finden’s klasse … und hätten uns so einen Kunstunterricht früher auch gewünscht.

Vom Problemquartier zum Kulturviertel: Das „Museum. Urbane. Kunst.“ in Hamm

Vom Problemquartier zum Kulturviertel: Das „Museum. Urbane. Kunst.“ in Hamm

Wenn in einem Viertel mehr als die Hälfte aller Geschäfte und Wohnungen leerstehen, wenn Straßenzüge verwahrlosen und zu sozialen Brennpunkten werden, dann kann man entweder resignieren, wegziehen, auf Maßnahmen der öffentlichen Hand hoffen … oder selbst aktiv werden!

Das Martin-Luther-Viertel in Hamm, das vor ein paar Jahren noch keinen Namen trug, hatte Glück. Oder besser: Es hatte Werner Reumke, Einzelhändler mit „Weinkost“-Laden in der Nassauer Straße. Werner Reumke, so berichten die Medien, hat sich mit dem Niedergang seines Viertels nicht abgefunden. Er gründete einen Förderverein, sprach gezielt Künstler an – und hat es zusammen mit vielen engagierten Menschen im Laufe der Jahre tatsächlich geschafft, dass aus dem Problemquartier eine Kulturmeile wurde: ein Freiluftmuseum, mit jeder Menge Kunst und Farbe im Straßenraum.

Da werden Fassaden zu Gemälden, Mauern zu Galerien, Verkehrsschilder zu Trägern sinnreicher Sprüche, Regenrinnen tragen Ringelstrümpfe und Bäume ein Strickkleid und vieles mehr. Es gibt jede Menge zu entdecken!

Das Schöne: Mit der Kunst kam das Leben zurück – und zwar nicht nur durch Besucher von außerhalb, die mit dem eigens erstellten Kulturführer in der Hand auf Entdeckungstour im Viertel gehen können, sondern auch durch neue Mieter und neue Nutzer.

Aus dem Projekt wurde das „Museum. Urbane. Kunst“, aus der namenlosen Gegend das „Martin-Luther-Viertel“. Wer hier wohnt, kann jetzt stolz auf sein Viertel sein.

Was andere davon lernen können: Natürlich wird nicht jedes Leerstands- und Problemquartier zum Kunstraum, Aber das Beispiel zeigt, wie mit unkonventionellen Ideen viel machbar ist. Und wie auch das Engagement Einzelner einen gewaltigen Stein ins Rollen bringen kann.

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